Freitag, 27. September 2019

Patientenschicksale - mal wieder

   Kommt ein 84-jähriger Mann zu uns mit morgendlichen Schmerzen der oberen Halswirbelsäule. Er war schon vorher bei anderen Ärzten und schließlich kam er zu uns geschickt vom Röntgenologen, der erschrocken war. Der alte Herr hatte eine Fraktur der obersten Halswirbel mit dem zweiten. Der Dornfortsatz am Beginn des Spinalkanals war ohne Verschiebung an der Base gebrochen. Das kann bei entsprechender Blutung zum sofortigen Tod führen. Das Ehepaar wusste es nicht mehr genau: Der Sturz war vor einem oder zwei Monaten. Keinerlei klinische Zeichen für eine neurologische Störung - nur die hohen morgendlichen Nackenschmerzen. Jetzt hat er erst einmal eine Halskrause. Erstaunlich, wie jemand so etwas überlebt. Aber es kann auch anders kommen.
    Eine dicke Amerikanerin kommt ihre Familie hier in Shell besuchen. Hoher Blutdruck, Diabetes etc. hat sie mitgebraucht. Ihr Kardiologe hat ihr grünes Licht für die Reise gegeben. Hier stürzt sie auf ihr ohnehin kaputtes Knie und kommt zu uns. Diagnose: Kniearthrose und eine mögliche, wenn auch nicht verschobene Schenkelhalsfraktur. Sie darf belasten und bekommt Schmerzmittel. Sie wird abgeholt. 15 Min. später der Anruf: Sie ist tot. Die Autopsie ergab einen plötzlichen Herztod. Die Familie ist geschockt. Die Mission hat viel Arbeit, den Leichnam nach den USA zu verlegen. Für uns war es eine schreckliche Überraschung. Das gehört zum Leben in einer Klinik.
    Eine Studentin im zweiten Semester in Quito kommt zu uns, weil sie von hier ist. Sie hat Klaustrophobie, wird im eng gedrängten Bus in Quito unruhig und schafft das nicht. Das ist ein Thema der Familientherapie für Klaudia. Da sind Themen der Familie seit Jahren, die nicht aufgearbeitet sind und an so einer "seltsamen Stelle", weit ab vom eigentlichen Geschehen, bricht es auf. Da können wir helfen, manchmal auch ohne Medikamente.
     Ein alter Mann aus dem Urwald - so alt ist er gar nicht laut Geburtsdatum - kommt mit Atemnot zu uns. Die Lungen sind voller Fibrose = Vernarbung des Gewebes. Und es ist möglich, dass er noch zusätzlich Tuberkulose hat. Die hat nach einigen Tagen als negativ erwiesen. Schuld ist wohl das tägliche Kochen in der Hütte mit viel Qualm und Rauch durch nasses Brennholz. Viel helfen können wir ihm auf Dauer nicht. Jetzt nutzen wir jede Chance, den Schleim zu verdünnen, um die Lungen so gut wie möglich frei zu halten.
    Motorradunfall vor fast einer Woche. Der Mann lag mehrere Tage zu Überwachung im staatlichen Krankenhaus: Leichte Hirnblutung bei Stirnfraktur. Alle sonstigen Röntgenaufnahmen normal. 2 Tage nach Entlassung kann er vor Schmerzen seinen rechten Arm nicht mehr bewegen. Die Familie verlangt eine Röntgenaufnahme, obwohl angeblich alles dort untersucht wurde. Ergebnis: Eine komplexe Schulterblattfraktur - eine CT-Untersuchung zeigt, dass wir nicht operieren müssen. Die heilt so - aber es wird Wochen dauern, bis er wieder "normal" bewegen kann. Und so ganz nebenbei sind auch noch 5 Rippen gebrochen.
Wir sind nicht mehr die erste Adresse bei Unfällen und schweren Erkrankungen. Aber wir sind ein wichtiger Knotenpunkt bei entscheidenden Fragen.

Mittwoch, 24. Juli 2019

Umweltzerstörung in Ecuador.
Die 1970er Jahren waren der Beginn des Ölbooms in Ecuador. Zwar hat die Shell Oil Company schon in den 40 Jahren nach Öl gesucht und es auch gefunden, aber die Transportwege waren zu weit. Dann kamen Texaco und andere. Der nördliche Urwald im Amazonasbecken ist zu großen Teilen verschwunden. Problem hier ist, dass das Öl nur in kleinen Blasen zu finden ist. Dazu müssen viele kleine Türme und ein System von Leitungen vernetzt werden.
Indianer, vor allem die Huauranis (Aucas) wurden verdrängt, ganze Gebiete verseucht. Dort liegt heute noch das  vor Jahrzehnten ausgelaufene Öl im Sumpf.
Auch der Versuch, den  Yasuni Nationalpark mit internationaler Hilfe zu schützen ist gescheitert. Nur in einen kleinen Bezirk ist dort die Ölbohrung erlaubt. Presse ist der Zugang dort nicht gestattet. Inzwischen werden auch diese Schutzgebiete verkleinert und bei fehlender Kontrolle weiß keiner, was da wirklich vorgeht. Unser Land lebt vom Ölexport.

Aber die Ölindustrie ist in Verruf gekommen und wird scharf überwacht. Dort gibt es inzwischen zunehmende Kontrollen. Ein anderer Bereich des schnellen Geldes macht Ecuador viel mehr zu schaffen: Gold, Silber und Kupfer.
An der Nordküste zu Kolumbien sind manche Flüsse tot. Goldsucher haben dort umgegraben, Quecksilber und andere Chemikalien verwendet. Da wächst an den Rändern nicht mehr und die Zahl der Krebspatient steigt in die Höhe. Wenn Polizei und Militär einen Teil räumen, geht die Suche in einem anderen Gebiet weiter.
Anderes Beispiel: Buenos Aires in der Provinz Imbabura: Dort gibt es Kupfer. Aber über dem Kupfer findet man Gold und Silber. Obwohl es verboten ist, haben sich dort Tausende dort eingenistet, tragen das Gestein ab, bauen Tunnel in den Berg. Ganze Berge sind da inzwischen entwaldet. Die internationale Firma. die die Abbaurechte erworben hat, lässt diese Menschen gewähren. Sie tuen ihre Arbeit, bis es zur Tiefe vom Kupfer kommt, das wirklich lohnend ist.
Im Norden Ecuadors und im Süden zu Peru hin im östlichen Tiefland gibt es weitere große Kupferlager. Es sollen die größten der Erde sein. Was da derzeit auf mehreren Quadratkilometer abgetragen wird, kann man nur Auf Luftaufnahmen zeigen. Dabei gehen die internationalen Firmen unter Aufsicht ans Werk. Doch auch dabei wird eine riesige Landschaft verändert. Viel schlimmer ist aber, dass sich in der Umgebung die einheimischen "Glückritter" einmischen. Sie zerstören viel mehr, sie sind ständig auf der Suche nach schnellem Geld, zerstören Regionen ohne jegliche Rücksicht. Die dort Ansässigen werden brutal verdrängt, getötet und vertrieben. Wo schnelles Geld die Macht hat, blühen Verbrechen und Prostitution. Der Staat ist derzeit nicht in der Lage, die "Goldgräbermentalität" in den Griff zu bekommen. Überall entstehen über Nacht neue solcher Camps.
Menschen werden vertrieben. Die Brutalität wächst. Der Gold-Silber-Kupferrausch verändert unser Land, wahrscheinlich mehr als der Erdölboom.
Dazu kommen dann noch Tausende von venezolanischen Flüchtlingen, die seit Jahren Ecuador überfluten. Vielen von ihnen suchen nur eine Gelegenheit, zu überleben....

Dienstag, 28. Mai 2019

Es grenzt an ein Wunder

   Isaac P. ist inzwischen 69Jahre alt und krank. Sein großes Problem war ein Tumor der Fußsohle, mit dem er nicht mehr laufen konnte. Also kam er in unsere Klinik, um "das Ding wegmachen zu lassen". Die Diagnose nach feingeweblicher Untersuchung lautete: Melanom, einem der bösartigsten Tumoren, die es überhaupt gibt. Indios des Hochlandes bekommen solche Tumoren auf Grund der hohen Sonneneinstrahlung an den Armen oder im Gesicht, Indianer der Dschungels wie Isaak an den Füßen. Es kommt vom Barfußlaufen im Matsch und Schlamm.
   Isaac war ein Verkündiger des Evangeliums und hat mit der Frohen Botschaft viele Dörfer besucht. Jetzt ist er alt und kann nicht mehr wie früher. Er braucht jetzt die Hilfe seiner Familie. Wir haben ihm den Gefallen getan "das Ding von der Fußsohle wegzumachen", in Lokalanesthesie. Er zeigte bereits große Leistenlymphknoten. Eine Heilung war medizinisch nicht möglich.
Wir haben mit ihm und der Familie gebetet.
    Dann kam er immer wieder. Die Leiste war mit großen Tumoren bedeckt, aber die Fußsohle heilte und  er konnte wieder beschwerdefrei laufen.  2 Monate später kam er wieder in die Sprechstunde mit dick geschwollenen Beinen und Armen und einem riesig aufgeschwollenen Bauch, der voller Wasser (Aszites) war. Im Ultraschall "schwammen" die Leben und die Milz in Flüssigkeit, aber keine klaren Zeichen von Metastasen im Bauchraum.  Dann die Laboruntersuchung: Keine  Zeichen von Entzündung oder Tumor, BSG (Blutsenkung) minimal angestiegen, Hämoglobin normal, Nieren und Leberwerte normal. Er könnte laut Labor Blut spenden. Wir verstehen die Welt nicht mehr.
    Wir haben ihn eine Woche auf vermehrte Nierenausscheidung gesetzt. Heute kam er zur Kontrolle: Nierenwerte normal. Bei den Elektrolyten war nur das Natrium extrem niedrig. Der Rest normal. Warum das? Nachfragen bei der Familie. Indianer des Urwaldes essen wenig Kochsalz, das ist unser Problem bei Besuchen dort. Wir brauchen immer unser Salzfässchen bei uns. Die Familie hatte ihn zusätzlich für über eine Woche mit medizinischen Kräutern behandelt und streng darauf geachtet, dass er kein Kochsalz bekam. Das ist der Grund und der wird jetzt therapiert.
    Jetzt wird die Wasseransammlung im Bauch weniger, Arme und Beine sind auf normal "geschrumpft". Der Bauch ist weniger mit Wasser gefüllt. Der Patient ist dankbar. Jetzt bekommt er auch Medikamente für sein unregelmäßig schlagendes Herz.
Es ist für uns ein Wunder. Wir haben ihm den Gefallen getan, seinen Tumor, der ihn störte zu entfernen, medizinisch gesehen eine Hilfe beim Sterben. Die Fußsohle ist verheilt. Warum jetzt das Wasser im Bauch? Keine Erklärung aber Besserung.
    Der Patient ist noch lange nicht gesund, aber wir stehen vor einem Wunder, das wir selbst nicht erklären können. Wir sind gespannt, wie das weitergeht.

Donnerstag, 18. April 2019

Korruption bei uns und drum herum

    Gestern hat sich ein weiterer Angeklagter dem Prozess der Korruption auf seine Weise gestellt und sich die Kugel gegeben - der frühere Präsident Perus - Alan García. Die Polizei stand vor seinem Haus, um ihn  zu verhaften. Von 1985 - 90 und weiter 2006 - 2011 hat er Peru angeführt. Weitere peruanische Staatspräsidenten wie Pedro Pablo Kuczynski und Ollanta Humala werden derzeit überprüft und Alejandro Toledo hat sich aus dem Land abgesetzt. Der einzige weitere lebende Expräsident Perus, Alberto  Fujimori, sitzt wegen anderer Vergehen seit Jahren im Gefängnis.
Alle waren seit Jahren im Korruptionsnetz der brasilianischen Firma Odebrecht verstrickt. Diese Firma baute Kraftwerke, das erste Atomkraftwerk Brasiliens, aber meist Wasserkraftwerke, Tunnel und Straßen und andere Großprojekte.
    Seit Jahren wurde ausgehend von den USA das große Netzt der persönlichen Zahlungen Stück um Stück aufgedeckt. Die heute bekannten Zahlungen belaufen sich in Millionen Dollar: 349 in Brasilien, 92 in der Dominikanischen Republik, 98 in Venezuela, 59 in Panamá, 33,5 Mio. in Ecuador etc etc. bis hin nach Angola und Mozambique. Außer Chile, Uruguay und Bolivien sind derzeit alle Mittel - und Lateinamerikanische Staaten mit der Aufarbeitung der schlau angelegten Betrugsaffäre beschäftig. Die Firma kam an internationale Bauaufträge, die dann schnell teurer wurden.  Insgesamt geht es um schätzungsweise 788 Mio. Dollar Bestechungsgelder, um Aufträge zu bekommen und die Konkurrenz auszuschalten.
Die Firma Odebrecht mit 160.000 Angestellten hat inzwischen 3,5 Mrd. Dollar Strafe en verschiedene Staaten gezahlt.
    In Brasilien sind die ehemaligen Staatsoberhäupter der sozialistischen Partei Dilma Rousseff, eine ehemalige Revolutionärin del Untergrundes angeklagt. Ihr Vorgänger Lula da Silva sitzt bereit im Gefängnis und der Nachfolgepräsident Michael Temer ist ebenfalls überführt worden.
In Ecuador sitzt bislang "nur" der ehemalige Vizepräsident Jorge Glas, den viele als neuen Präsidenten gesehen hatten. Er sitzt für seine 13,5 Mio. Bestechungsgelder für 6 Jahre. Weitere 33,5 Mio. seien an ecuatorianische Staatsfunktionäre geflossen. Wohin denn genaue?
    Ein Großteil der Gelder aber gingen an die Regierung in Venezuela, knapp 100 Mio. Dollar. Dort wird derzeit nichts aufgeklärt, weil die ganze Regierung korrupt ist und auch intern von Korruption und Drogengeldern lebt.

    In Lateinamerika hat mit der Firma Odebrecht ein großangelegter Umdenkprozess angefangen, losgetreten durch mutige Staatsanwälten der USA. Aber das ist nur eine, wenn auch große und einflussreiche Firma. Die wirkliche Korruption läuft längst weiter, im Kleinen in den Schulen für gute Noten, in den Universitäten, wo Zeugnisse gefälscht werden und Rektoren dadurch reich werden, bei Baubehörden. Wann werden Richter wirklich Recht sprechen?  Der Weg zu einem transparenten Staat ist auch in Ecuador noch weit!

Sonntag, 31. März 2019

Operationen der Behinderten Kinder

   Wieder ist die Zeit der Operationen der Behinderten Kinder vorüber, das 24. Jahr und es war ein besonderes Jahr, positiv wie negativ.

   Zunächst das Schwierige: Mündliche Zusage vom Hospital in Quito am Montag. Am Freitagnachmittag dann die Absage, weil die Erlaubnis vom Gesundheitsministerium fehlte. Dann das Wochenende mit zwei Tagen Karneval. Da arbeitet niemand im Ministerium und am Aschermittwoch Wechsel des Chefs dieser Abteilung im Ministerium. So zog sich der Prozeß bis Montag der folgenden Woche hin.
Das Positive: Wir hatten drei Wochen geplant, also nur eine Woche verloren. Dann ging es mit voller Kraft weiter. Dieses Jahr kam eine Handchirurgin, die zwar nichts machen konnte, aber wir haben Patienten für das nächste Jahr vorgemerkt. Weitere Patienten sind inzwischen dazugekommen. Für das nächste Jahr ist die erste Woche schon ausgebucht.
   Wir haben neue Ärzte aus den USA, die diese Zeit in Ecuador als ihre Mission ansehen. Sie kommen wieder und wollen neue Ärzte mitbringen, denen sie Flug und Aufenthalt finanzieren wollen. Das Projekt hat von dieser Seite her Zukunft.
Patienten gibt es genug. Aber wer soll das weiter leiten?
   Ein Ecuatorianer - kinderorthopädischer Chirurg- ist derzeit für zwei Jahre in den USA. Ab Sommer 2019 wird er für ein weiteres Jahr nach Kanada gehen und 2021 zurück kommen. Das Hospital in Quito hat schon Interesse geäußert, ihn dann dafür anzustellen, wenn nicht, dann ist Shell hoffentlich soweit. Er wird dann alles übernehmen und hoffentlich mehr einheimische  Ärzte dafür finden.
   Wir haben wieder über 20 Kinder behandelt, meist sehr große Operation wie Beckenumstellungen. Es ist jedesmal eine Freude zu sehen, welche  Zukunft diese Kinder jetzt haben.
Ich freue mich, dass das Programm und vor allem die Behinderten Kinder eine Zukunft haben. Danke für alle Gebete!!!

Samstag, 23. Februar 2019

Up-Date für Shell

   Wir warten noch immer auf den Vertrag der Rechtsanwälte, um ihn endlich zu unterschreiben aber keiner scheint Eile zu haben, auch wenn wir uns nach wie vor einige sind.  Zwischenzeitlich arbeiten wir weiter. Morgen verlässt der letzte Missionar der alten Mission Reach Beyond das Gelände und wir haben fast alle Häuser des Geländes hinter dem Hospital vermietet mit gleichen Mieten wie vorher. Wir brauchen das Geld zum Abbezahlen der Schulden. Es ist ein wichtiger Teil unserer Einnahmen.
    Überhaupt haben wir uns zu Kapitalisten entwickelt, die jede Entscheidung auch nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet. Nur die Gemeinschaft mit den anderen Mitarbeitern bringt uns wieder auf den Teppich zurück.
    Ende Januar kam das Gesundheitsministerium zur Kontrolle und hat uns mitgeteilt, dass unser Labor renoviert werden muss: Glatte Wände, runde Ecken etc., was vor einem Jahr noch keine Beanstandung war. Wir haben die Erlaubnis für ein weiteres Jahr erhalten aber versprochen, dass wir das innerhalb von 6 Monaten ändern werden. So haben wir nach dem Komplettanschluss aller Häuser mit neuem Internet heute das Labor in die alte Apotheke provisorisch umgezogen. Das bisherige Labor wird jetzt renoviert: Eine Wand raus, Wände und Decke erneuert, Boden neu lackiert und komplett neue, holzwurmunanfällige Möbel. Wahrscheinlich mehr als 4 Wochen harte Arbeit für unser Handwerkerteam.
    Eine neue Idee kam auf. Eine Röntgenpraxis aus Ambato möchte bei uns den ersten Resonanzmagnetischen Tomographen installieren. Es wäre der erste in der gesamten Gegend. Wir schicken von uns aus einen Patienten täglich zu so einer Untersuchung weit weg. Die Bedenken, dass wir in einer der Einflugschneisen des Flughafens liegen, scheint unwichtig zu sein. Morgen kommen die Techniker, um die Einzelheiten zu besprechen. Ein Vertrag steht noch aus und dazu brauchen wir einen Rechtsanwalt. es geht uns um unser Risiko, 5 min Stromausfall ist kein Problem. Wir haben einen Generator, der nach 5 Sek. spätestens Strom liefert. Aber nach 15 Sek schaltet der Apparat ab. Dann muss er neu gestartet werden. Dazu muss das Team aus Ambato kommen - etwas mehr als 1 -2 Tage Zeit- und Einnahmeverlust. Wir haben beschlossen, einen neuen Generator zu kaufen. Die zwei unsrigen sind von 1976. Aber die Risiken müssen vertraglich klar sein.
     Auch wenn wir die Spenden von 2018 noch auf unserem Konto haben, fertig für die erste Anzahlung an Reach Beyond zum Zeitpunkt der Vertragsunterzeichnung, der Überschreibung des Grundstückes auf unseren Nahmen, Rechtsanwälte und Notare, brauchen wir weiter Unterstützung für die Renovierung, einen guten Rasenmäher für das riesige Grundstück und viele kleine und große Ausgaben. Danke für alle weitere Verbindung.

Mittwoch, 13. Februar 2019

Patientenberichte aus unserem Alltag

    Ein großes Problem sind unsere Langzeitpatienten, allen voran die Diabetiker. Wer von ihnen über 60 Jahre alt ist, ist kaum zu einer wirklichen Therapie bereit. Beispiel María P. 65 Jahre alt und weiß seit Jahren, dass sie zuckerkrank ist. Sie geht nicht zu Kontrollen und wenn der Vorrat an Tabletten ausgegangen ist, erscheint sie einige Tage später wieder mit einer Infektion. Auf ihrer Finca hat sie sich gepikst oder Insekt hat ihr zugesetzt und sie kommt zu uns mit riesigen Entzündungszeichen -  Befunde nebenbei: Blutzuckerwert über 600 mg%. Deshalb heilen Wunden nicht. Mit Antibiotika (und hauptsächlich Antidiabetikas) kriegen wir das natürlich wieder hin - aber wie lange geht das noch gut? Jetzt haben wir die Familie eingespannt und die Patientin unter die Aufsicht der Töchter gestellt. Doch dann verlässt María das Haus heimlich, muss ihre Tiere auf der Finca füttern und bleibt Tage dort, bis es ihr wieder schlecht geht. Wir merken: Lebensgewohnheiten und die gewohnte Unabhängigkeit passen nicht zu einer Krankheit, die immer wieder kontrolliert werden  muss. Und wenn die Selbstüberwachung einen Nüchternblutzucker von 250 mg% anzeigt, ist die Patienten zufrieden, über 600 war doch mehr und ich fühle mich derzeit wohl! Wer dann alleine noch Insulin spritzen müsste und keinen Kühlschrank hat muss sein Leben komplett umstellen und wer will das schon?
    Eine Patientin, im Mai 2018 laparoskopisch an der Gallenblase operiert, hat seit Monaten eine Fistel mit stinkenden Sekretion. Antibiotikas haben nicht geholfen, eine OP auswärts genauso wenig. Jetzt mussten wir sie nochmals operieren, haben die Fistel ausgeschnitten und dann eine Kompresse herausgezogen. Das Problem danach war, dass jede Menge Luft und Flüssigkeit danach kam. So mussten wir sie leider in das Hospital zurückschicken, wo sie ursprünglich operiert worden war, denn ein Loch im Zwölffingerdarm lässt sich einfach nicht ambulant behandeln. Das Ganze wird ein gerichtliches Nachspiel für das Team der ErstOP haben.
    Einer unserer Ärzte ist derzeit mit einer Studie über Leishmaniose im Nasen - Rachenraum beschäftigt. Leishmaniose führt zu Geschwüren, die nicht heilen und Gewebestrukturen zerstören. Als er die Studie mit einer Uni hier in Ecuador und Holland begann, glaubte keiner von uns an große Fallzahlen. Die Realität hat uns eingeholt. Derzeit schickt das Gesundheitsministerium Patienten aus dem gesamten östlichen Tiefland zu uns. Manche kommen mit "chronischem Schnupfen" und völlig zerfressener Nasenscheidewand zu uns. Und es sind Patienten mikroskopisch positiv, die kaum eine Klinik haben. Wir brauchen ständig mehr Medikamente, denn die Therapie ist lange uns schmerzhaft für abwechselnd die rechte und die linke Pobacke.
    Klaudia wird mehr und Familientherapeutin von Polizisten und deren Angehörigen. Da sind die üblichen Familienprobleme aber auch die Arbeitsbelastung. Auf die Frage, warum sie nicht zu den polizeieigenen Beratungen gingen, erhält sie oft die Antwort, dass dort die Vertraulichkeit nicht gewahrt würde und am nächsten Tag die ganze Abteilung Bescheid weiß. So kommen sie lieber zu einer verschwiegen Therapeutin. Und  da sind ihre treuesten Patienten.