Samstag, 15. Februar 2020

Wie sind noch keine Tagesklinik

   Nach der offiziellen Schlüsselübergabe kam die Revision durch das Gesundheitsministerium - 11 Std Revision und als Ergebnis eine Riesenliste, die wird verbessern und ergänzen müssen. Nächste Kontrolle in einem Monat, am 04. März. Die aller-allermeisten Beanstandungen sind Kleinigkeiten und Dinge, die wir für den zweiten Durchgang wissen wollten. Schwerpunkt der Veränderungen sind die Monitore und andere Maschinen, die wir derzeit anschaffen müssen. Im OP und vor allem in der Wäscherei fordern sie größere  Renovierungsarbeiten. Wir brauchen eine neue Industriewaschmaschine, Kosten ca. $ 40.000,-
   Für gut eine Woche war zwischendurch eine Gruppe aus Deutschland hier, die bei der Renovierung mitgeholfen hat. Unser Schwiegersohn Rico Weißbach, ehemaliger Missionar hier in Ecuador hat jetzt eine neue Organisation mit dem Namen LEWI ( und kam mit einer Generation von Erwachsen aus Deutschland. Sie haben zusammen mit unserem nationalem Arbeiterteam einige Tage Erstaunliches bewirkt: Das Dach des Maschinenparks für Generator, zentrale Absaugung und andere zentrale Techniken ist neu gedeckt. Die neue Augen- und HNO-Sprechstunde ist zur guten Hälfte fertig und fast alle Betten für die stationäre Behandlung wurden entrostet, mit Nato-Oliv and Grundfarbe und später in Krankenhausfarbe gespritzt nebst anderer technischer Kontrolle. Das war zur rechten Zeit ein Schub zur neuen Klinik. Das dt. Team hat unserer einheimischen Helfer zu Höchstleistungen angespornt und zu Überstunden ohne Bezahlung. Es war ein Geben und Nehmen mit wenigen Dolmetschern und viel Gebärdensprache, Lachens und Feierns.
   Unser Krankenhausteam wächst. Ein HNO-Arzt ist Teil unseres Teams und möchte so bald wie möglich operieren. Derzeit wird die Preistabelle errechnet, denn Alles muss mit einberechnet werden.  
Unserer Augenärztin aus Bolivien wird auf absehbare Zeit nicht kommen. Sie hatte uns zwei Wochen geholfen und es ausprobiert. Jetzt suchen wir Ersatz.
   Mit der Feier am 01. Februar und der Schlüsselübergabe haben wir die Werbetrommel gerührt. Jetzt kommen täglich Menschen zu uns, die Arbeit suchen. Einige wenige werden wir anstellen, denn eine Tagesklinik benötigt nur wenig mehr Personal. Und Nachtdienst muss anders bezahlt werden.
   Der nächste Abschnitt bringt neue Leute ins Team. Die müssen auch geistlich zu uns passen bzw. eingebunden werden. Das ist eine neue Etappe der Arbeit. Medizinische Arbeit und geistliche Teamarbeit und nicht immer das Gleiche. Dank für alle Begleitung!!!!!

Sonntag, 2. Februar 2020

Schlüsselübergabe in Shell

  Ein arbeitsreicher Monat liegt hinter uns. Der Januar ist erfahrungsgemäß ein Monat mit vielen Patienten aber auch mit guten Einnahmen. Und wir haben umgestellt. So war die Zahnarztgruppe der größte Defizitbereich. Also haben wir einer Ärztin gekündigt. Sie war auch schlecht teamfähig. Die verbleibende Ärztin, die mit halber Kraft als Sekretärin arbeitet blieb, darf nun auf Rechnung Patienten behandeln. Sie wohnt nebenan und kommt auf Anruf auch außerhalb ihrer Arbeitszeit - und siehe da, die Einnahmen der Zahnarztklinik haben sich im Januar vervierfacht. Alle sind zufrieden.
    Auch die Röntgenabteilung kommt langsam aus dem Defizit.
    Das Wichtigste ist aber unsere Renovierung für die Hälfte des stationären Bereiches mit OPs und Geburtsräumen. Sie ist abgeschlossen. Zwar fehlen noch Vorhänge, die Instandsetzung der Betten, Nachttische und einige Schränke für Wäsche etc. aber das hat Zeit. Eigentlich sollte das Gesundheitsministerium den neuen Teil abnehmen, aber das Coronavirus, das wohl auch in Ecuador angekommen ist, macht es schwierig.
    Trotzdem haben wir mit unserer alten Mission HCJB, Reach Beyond gestern ein Fest gefeiert - die offizielle Schlüsselübergabe. In den nächsten Tagen werden wir die dritte Quote überweisen, das sind dann insgesamt 25 % des Kaufpreises. Wir sind seit Nov. offizieller Besitzer des Geländes, im Grundbuchamt für viel Geld eingeschrieben. Jetzt wollte die Mission uns offiziell die Schlüssel übergeben zusammen mit praktischen Geschenken wie einem Bohrhammer und einem Schweißgerät. Statt der erwarteten 100 Gäste kamen bei strömendem Regen ca. 200 Besucher zusammen. Der Kuchen für jeden wurde halbiert. Besonders die Gruppe der ehemaligen Mitarbeiter berichteten von ihrer Erfahrung, was unseren neuen Mitarbeitern zeigte, was Teamarbeit und eine gute Gemeinschaft bedeuten. Einige von ihnen waren als Langzeitpatienten gekommen und sind als Mitarbeiter die nächsten 20 - 30 - und über 40 Jahre geblieben. Das ist die Basis auf der wir neue Mitarbeiter aufbauen. 
    Wir bekamen den Schlüssel - nur einen. Das Papstwappen besitzt zwei Schlüssel - zum Auf - und zum Zuschließen nach dem Neuen Testament. Wir haben einen und wollen weiterhin das Evangelium weitererzählen und Menschenherzen öffnen. In der täglichen Medizinerrunde am Morgen berichten die Ärzte oft genug von Menschen, die nicht nur krank sind, die auch familiär und geistlich belastet sind. Für die sind wir Schlüsselpersonen.

    Wir sind überwältigt von den Spenden im letzten Jahr. So können wir auch weitermachen. Jetzt kommen aber neben weiterer Renovierung noch neue Ausrüstungen auf uns zu. Ein HNO Arzt hat viele ambulanten Patienten. Wir hatten für zwei Wochen eine Augenärztin aus Bolivien hier. Sie braucht noch Bedenkzeit, ob sie als Langzeitmitarbeiterin zu uns kommt. Zwei Kardiologen wollen mit Sprechstunde bei uns anfangen. Andere Ärzte sind angefragt. Und die alle wollen auch den OP benutzen.
    Mit der Erlaubnis als Tagesklinik dürfen wir jetzt offiziell operieren und Patienten bis max. 48 Std beherbergen. Dazu kommen schwere Durchfallerkrankungen mit einigen Stunden Überwachung und anderes mehr. Das bedeutet aber auch mehr Personal. Bei der Entscheidung Geburten oder Notfälle hat sich unser Team für Letztere entschieden. Also wird nach der Renovierung der Augen- und HNO-Klinik der Notfallbereich erneuert.
    Die Arbeit geht weiter. Wie gerne würden wir jeden von Euch persönlich einladen (Ihr dürft auch unangemeldet kommen). Die letzten Wochen waren ein riesiger Kraftakt unseres Personals mit vielen freiwilligen Überstunden und unerwarteten Hindernissen. Aber das war nur möglich durch viele Gebete und Gaben unserer Unterstützer. Dank dafür!!!

Freitag, 13. Dezember 2019

Jetzt doch noch einen Weihnachts - Bedanke-Mich-Brief

Eckehart kam aus Deutschland zurück und wir sind gerührt von so vielen Beileidsbekundungen zum Tod seiner Eltern. Wir fühlen uns eingebunden in ein Netz von Freunden, die uns begleiten. Das ist ein besonderes Privileg.
In Eckeharts Abwesenheit durfte Klaudia die Papiere der Stadtverwaltung empfangen. Wir sind nun offiziell Besitzer des Geländes, haben ordentlich dafür bezahlt. Es wurde uns kein Abstrich gemacht. Die Stadt braucht das Geld.
Wir haben danach die erste Anzahlung an Reach Beyond gemacht, 8% laut Vertrag. Im Januar geht es dann weiter. Wir merken, wie Gott unseren Zeitplan gestaltet. Wie Eckeharts Besuch in Deutschland liegt alles in Seiner Hand. Wir haben durch den Zeitverlust zwischen mündlicher Absprache mit Reach Beyond von 1 1/2 Jahren jetzt mehr Zeit zum Bezahlen.
Die Renovierung liegt im Zeitplan. Ende 2019 werden wir die Hälfte des Hospitales renoviert haben. Dann beantragen wir die Erlaubnis für eine Tagesklinik mit der Möglichkeit der Übernachtung eines Patienten.
Ein großes Problem ist das blutige Abwasser im OP und bei den Geburten. Das Umweltministerium will uns zu einer teure Aufbereitungsanlage zwingen. Wir holten uns Rat von anderen Kliniken und da gibt es weitaus billigere Wege ohne großen Umbau. Daran arbeiten wir derzeit. Das ist ein Riesengeschenk für uns.
Wir freuen uns über die Spenden, die bisher für uns eingegangen sind. Dank für die vielen kleinen und großen "Weihnachtpäckchen", die uns Eure Unterstützung beschert haben. So können wir die nächste Quote im Januar bezahlen. Auch bei der Mexikomission hat der Geschäftsführer gewechselt. Unser Freund Dr. Hans Mammele liegt im Sterben. Eckehart konnte sich noch von ihm verabschieden. Danke, Hans, für über 50 Jahre persönlicher Freundschaft und einer vertrauensvollen Zusammenarbeit!!!
Unsere Zukunft im Januar: Wir müssen eine neue Zulassung beantragen und möchten zur Tagesklinik aufstocken. Das gibt uns die Möglichkeit, neue ärztliche Dienst anzubieten. Basis wird die Allgemeinmedizin bleiben. Dazu kommen sollen: Gastroenterologie, ein Internist mit Schwerpunkt Schilddrüsendiagnostik/Therapie und 1 - 2 Augenärzte. Da trifft es sich gut, dass der Staat im November über 500 kubanischen Ärzten gekündigt hat. Sie waren damals nach Ecuador eigeladen worden, um hauptsächlich in ländlichen Schwerpunktkrankenhäusern ihre Dienst anzubieten. Spätestens nach den Streikt vom Oktober muss der Staat drastisch sparen und hat diese Verträge mit Kuba beendet. 340 von ihnen sind bereits nach Kuba zurückgekehrt. Viele aber wollen bleiben, weil sie mit Ecuatorianern verheiratet sind. Sie suchen Arbeit in Privatkliniken. So haben wir nicht nur Chance auf neue Ärzte. Ecuatorianer wollen nach wie vor nicht aufs Land. Der Staat hat in den regionalen Häusern ganze Dienst wie Augenheilkunde komplett geschlossen. Das ist unsere Chance. Wir sind dankbar für engagierte Ärzte, bei denen wir aussuchen können. Sie werden auf Honorarbasis vergütet.
So sind wir in der Vorweihnachtszeit dankbar über diese Aussichten. Wir hätten all diesen Zeitplan und die Umstände nicht planen können. Gott hat seinen ganz besonderen Plan/Zeitplan. So wie das Kind Jesus nach der Geburt beschützt wurde, als es der mächtigen Herrscher Herodes verfolgte, so fühlen wir uns beschützt, ohne die politischen und finanziellen Umstände in der Hand zu haben. Das ist unser Zeugnis auch bei der Weihnachtsfeier unseres Teams an diesem Wochenende.
Euch allen ein Gesegnetes Weihnachtsfest und eine reiche Zukunft im Neuen Jahr

Eckehart & Klaudia

Samstag, 30. November 2019

Abschied:                                                                                  Kurzbrief # 1400
Der November ist immer ein besonderer Monat, in dem wir der Verstorbenen gedenken, auch der Kriegsopfer, was uns weniger betrifft.
Unsere Eltern sind versorgt. Polinnen kümmern sich um sie. Die Eltern können den Service mit ihrer Rente bezahlen und es ist ein Segen, dass sie noch in ihrem Zuhause leben können .
Dann der Anruf, dass Eckeharts Mutter wieder mal im Krankenhaus ist, schließlich die Diagnose: Dickdarmkrebs. Es muss etwas gemacht werden, bevor dieser den Darm komplett verschließt. Ihr Herz ist schwach. Die OP muss verschoben werden. Bei der Einleitung der Narkose dann Herzstillstand - keine Op - Intensivstation - Palliativstation.
Mein Vater wird schwächer, muss mit dem Krankenwagen zur Unterschrift der notwenigen Dokumente seiner Frau gefahren werden - auch er bleibt auf Intensiv und verschlechtert sich täglich - Palliativstation. Da war klar. Eckehart musste fliegen, kam an und konnte mit den Eltern noch sprechen, als sie klar bei Verstand waren.
Meine Geschwister waren anwesend, wir haben uns Tag und Nacht abgewechselt. Die Zeitumstellung kam mir dabei zugute. Kleinigkeiten wie das Hörgerät halfen bei der Verständigung, was man als Außenstehender erst einmal bemerken muss.
Die Eltern waren beieinander, wir bei ihnen. Dann habe ich meinen Vater gehen sehen. 15 min nach seinem Tod war das nur noch eine Hülle, nicht mehr er selbst.
    Beerdigungsvorbereitungen, Sarg aussuchen, Familien und Freunde informieren.... Wir waren beschäftigt. Vater hatte alles vorbreitet - aber für seine Frau.
Mutter hat bewusst mitbekommen, dass ihr Mann für immer gegangen ist und sie hört auf zu Trinken, schläft und dämmert dahin mit unregelmäßiger Atmung. 29 Std. später ist auch sie gegangen - es bleibt eine Hülle.
Wieder Änderung aller Papieren und Zeitungsannoncen. Ein Abschiedsgottesdienst in ihrer Kirche mit vielen Freunden aus dem Dorf. Viele Gespräche mit den Nachbarn, die ihnen in der Pflegezeit mit Taxiservice, Einkaufen und vielen anderen Hilfen zur Seite gestanden hatten. Die Eltern waren Zentrum einer Kirchengemeinde im Alter gewesen.
Die gemeinsame Beerdigung wird geplant. Es bleiben zwei Tage der persönlichen Trauer. Dann kommen unsere Familien, um die (Ur) Großeltern zu verabschieden. Familientreffen, viele Gespräche und dann die Urenkel, die der "Feier" der Alten eine Zukunft vermitteln.
Sie haben Mandarinen ans Grab mitgebracht. Die Urgroßelten hatten für jede Familie wie üblich eine Kiste Mandarinen bestellt. Die kam an den Tagen des Sterbens bei den Urenkeln an. Sie haben einige als Dank ans Grab gelegt.
Die Beerdigung, gut vorbereitet, mit mitgebrachten Rosen aus Ecuador.
Die Eltern waren vorbreitet, besonders im Glauben. Die Erbschaft ist geregelt. Unter den Kindern gibt es kein Problem. Alles im Frieden trotz der Tränen. Ein gesegnetes Ende, ein Abschied, der zwar weh tut und verarbeitet werden will. Nun sind wir  Kinder in die nächsten, die gehen werden.
    Ein Tag nach der Beerdigung ist Eckehart wieder in Quito und predigt am Sonntag. Das Leben geht weiter. Meine Geschwister trauern jeder auf seine Weise. Wir können Gott nur loben über das Timing. Das Leben geht weiter!!!

Donnerstag, 14. November 2019

Wir sehen Licht am Ende des Tunnels von Shell

    Derzeit ist Tauwetter auf unseren Konten. Sie schmelzen. Die Steuer für die Gemeinde über $ 42.000,-, der Notar knapp $ 9.000,-. Wir dachten schon mehrfach, dass das alles wäre und werden weiterhin von einem Schreibtisch zum anderen geschickt. Aber in einer Woche müsste die Umschreibung des Geländes beendet sein. Dann können wir mit der Schuldentilgung beginnen. Und dabei läuft die Renovierung. Derzeit werden die Patientenzimmer gestrichen, die Sauerstoff- und Absaugungsanschlüsse angebracht. Als letztes kommt dann die Versiegelung des Fußbodens. Zum Jahresende soll dann die Hälfte des Bettenbaus fertig sein mit einer provisorischen Wand zum anderen Teil, der danach renoviert wird.
Wo ist dann das Licht? Wir führen vermehrt ambulante Operationen durch. Das sind Einnahmen. Derzeit gibt es viele Feste in unserer Gegend (Dorffest, Provinzfest etc. etc.). So ist das im November und es kommen weniger Patienten. Das gleichen die Operationen ein wenig aus. Und wir spüren Gottes Schutz. Eine 50-jährige Frau kam mit vielen Myomen, gutartigen Tumoren der Gebärmutter. Alle Voruntersuchungen bei uns und vorher anderswo bestätigten das. Und dann war da ein Bauch voller kleiner Metastasen. Einmal angefangen musste alles zu Ende gebracht werden. Sie hat viel Blut verloren. Jetzt warten wir auf das Ergebnis der Pathologie und können dann die weitere Therapie woanders festlegen.
Eine 16-jährige Patienten mit Downsyndrom hat sich vor einem halben Jahr das Schlüsselbein gebrochen. Ein Teil des Knochens durchbohrte die Haut. Eine chronische Knochenvereiterung haben wir heute operiert. Ganz nahe am Schlüsselbein gibt es wichtige Blutgefäße und Nerven. Ich habe meine Zweifel, dass die heutige OP genug war.
    Und es gibt noch weitere Hoffnung: Ab Januar 2020 wollen wir den Antrag auf eine Tagesklinik stellen. Dann können wir offiziell operieren und auch mal einen Patienten über Nacht hier behalten. Wir brauchen mehr andere Fachärzte - bislang ohne Erfolg.
    Plötzliche eine Änderung im staatlichen Gesundheitssystem: Die vorherige Regierung hatte tausende kubanische Ärzte ins Land geholt, die hauptsächlich in ländlichen Hospitälern arbeiteten. Deren Verträge laufen jetzt aus. Nach letzten Meldungen kostet so ein Facharzt den ecuatorianischen  Staat ca. $ 4000,-/Monat, er/sie selbst erhält davon ca $ 1700,-. Den Rest kassiert der kubanische Staat. Für mich eine Form des Menschenhandels. Dieser Tage wurden all diese Verträge beendet. Sie sollen heimkehren. Doch Viele von ihnen sind mit Ecuatorianern verheiratet, haben Kinder und wollen bleiben. Auf einmal kommt eine Schwemme von arbeitswilligen Fachärzten auf uns zu. Sie suchen Arbeit und sind zu Zugeständnissen bereit.
So werden wir 2020 mit der Erweiterung der Klinik neue Dienstleistungen anbieten.
    Basis bleibt die Allgemeinmedizin. Dazu kommt die Innere Medizin, Augenheilkunde, Gastroenterologie (Magen-Darmspiegelungen) und anderes, was ich heute noch nicht sehe. Diese Ärzte werden aber nicht arbeitsrechtlich angestellt, sondern nur für ihre Arbeit in Sprechstunde und besonderen Leistungen bezahlt, also für uns weniger Risiko (keine Sozialversicherung, kein  Urlaubsgeld etc.).
    Das ist eine weiterer Schritt, aber auch mehr Arbeit bei der Integration in unser Team. Wir können ihnen weniger vorschreiben. Beide Seiten können sich über Nacht trennen.
    Und ein letzter Aspekt zu diesem Thema. Beispiel Gastroenterologe. Er macht seine Magen-Darmspiegelungen, aber die Sedierung des Patienten, um ihn dazu ruhig zu stellen, haben wir selbstverständlich früher selbst mitgemacht. Er muss jetzt lernen, das ohne einen Narkosearzt selbst zu machen. Die neuen Ärzte, die kommen, haben kein erweitertes Können mehr. Sie sind gute "Schmalspurärzte" - Chance für unsere Allgemeinärzte, da die Kontrolle zu übernehmen! Wir müssen lernen, neue Maßstäbe zu setzen.

Montag, 14. Oktober 2019

Ist der streik vorbei? JA oder NEIN?

Das Wochenende war der Höhepunkt des Streiks. Tausende  neuer Indios kamen in die Stadt Quito, um den Protestierenden zu helfen. Aber auf der anderen Seite - und das hat wohl wenig mit den Indigenen zu tun, gab es eine Welle der Zerstörung in der Hauptstadt. Ein Regierungsgebäude wurde gestürmt, total verwüstet und angezündet, sicher ca. 12 Stockwerke verwüstet. Straßen aufgerissen, um Steine zu haben. Sie haben auch mit kleinen „Raketen“ aus Plastikrohren so für 20 - 30 Meter Entfernung mit Feuer geschossen. Das Gebäude einer Fernsehstation wurde angegriffen, Fahrzeuge angezündet, Fensterscheiben gingen zu Bruch. Die Feuerwehr konnte nicht löschen. Es war wie im Krieg, viel schlimmer als bei all den Protesten, die wir kennen - und wir kennen uns inzwischen bei Protesten aus. Die Schäden gehen in die mehrere 10 Millionen. Und da waren zusätzlich andere Kräfte am Werk.
Der Präsident hatte die Regierung nach Guayaquil an die Küste verlegt. Dann am Abend ein Treffen mit den Leitern der Indiogruppen und die Entscheidung: Der Streik wird abgeblasen und die Sache neu verhandelt.
Da stehen wir nun.
Quintessenz: Eigentlich ist der Streik noch nicht vorüber aber alle Straßen sind offen. Es gibt in Shell und im Oriente wieder Gemüse und Früchte. Die Tankstellen sind nach wie vor leer, denn bis Sprit hierher kommt, dauert es 2 - 3 Tage.
Der Streitpunktin Slogans: Neoliberalismus gegen Sozialismus - oder übersetzt: Mehr Marktwirtschaft oder Planwirtschaft. Es gibt noch viel mehr Schlagworte.
Unser Land hat sich an die Subventionen der Regierung gewöhnt. Dass unsere spottbilligen  Gastanks und subventioniertes Benzin/Diesel nach Kolumbien und Peru verschwinden, ist ein offenes Geheimnis. Das bleibt erste einmal so. Die freuen sich. Und warum muss ein Ausländer oder Tourist auch subventioniert werden? Energiesparen macht in Ecuador keinen Sinn. Dabei reichen die Energiereserven des Landes für nur noch geschätzte 10 Jahre. Dann ist Schluss mit lustig.

Heute kamen wieder mehr Patienten in unsere Klinik. Einige der Männer hatten noch ihre Kriegsbemalung vom Wochenende und ich muss ehrlich sagen, dass in mir Wut hochstieg. Auch ich bin nicht frei von Gefühlen, wenn sich dann einer über den Preis der Behandlung mokiert. Hier ist nicht alle Behandlung umsonst. Und das Gesundheitsministerium hat die Familienangehörigen, die aus dem Urwald nach Puyo oder aus dem Hochland nach Quito kamen, nicht behandelt, es sein denn wirkliche Notfälle.
Der Konflikt ist noch lange nicht zu ende. Noch werden auf beiden Seiten die Wunden geleckt und eine Einigung nicht in Sicht. Es kann jeder Zeit weiter gehen. Zum ersten Mal, seit 60 Jahren wurde ein Präsident "nur" gebremst. Lenín Moreno bleibt weiter im Amt. Er musste nicht im Flugzeug aus dem Land fliehen. Der ist bodenständig und kann auch Niederlagen hinnehmen. Er hat wohl später keinen Korruptionsvorwurf zu befürchten im Gegensatz zu seinen Vorgängern. Das ist neu.

Wir haben gemerkt, wie  mächtig Gebet ist. An diesem entscheidenden Sonntag haben viele, viele Christen mit sich und Gott gerungen, auch unter den Indios. Eine so schnelle Einung war eine Überraschung. Gott ist groß.....

Und noch etwas. Das 9. der Zehn Gebote hat für mich eine neue Tiefe gewonnen - den anderen nicht schlecht zu machen. Darin sind besonders die Sozialen Medien groß: Hassbotschaften, falsche Nachrichten, Fake News, Videos aus anderen Länder und aus anderen Zeiten schufen Feindbilder und machten Menschen wütend. Wo geben wir fake news weiter, ohne sie vorher nachgeprüft zu haben?

Freitag, 11. Oktober 2019

Die Situation in Ecuador, Stand 11. Oktober 2019

Wir sitzen hier in Shell, seit einer Woche quasi ohne Einnahmen für unsere Klinik. Nur wenige Patienten kommen durch zu uns (und auch wieder heim). Überall Straßensperren. Es gibt keine frischen Lebensmittel mehr. In einige noch isoliertere Städte wie Cuenca fliegt die Regierung bereits Lebensmittel ein.
Der Regierungssitz wurde nach Guayaquil verlegt. So sitzen die Indios jetzt zu Tausenden in Quito und protestieren. Nach den ersten sehr gewalttätigen Tagen mit Plünderungen sind die Leute in Quito zu Tausenden aufgestanden, um für friedliche Proteste zu demonstrieren. Das zeigt eine große Unterstützung für die Regierung an. Das Leben in Quito und Guayaquil normalisiert sich. Die Straßenschlachten finden um das Regierungsviertel statt. Rotes Kreuz und andere Gesundheitsdienste werden immer wieder an der Arbeit behindert. Die Indios sind isoliert. Jetzt leiden sie. Sie kamen mit Frauen und Kindern. Diese werden in zwei Universitäten in der Nähe untergebracht. Jetzt betteln sie um Decken und Nahrung.
Ähnliches erleben wir in Puyo. Heute sollten wir zu Frauen und Kindern bei den Streikposten hingehen, um Fußkranke und Erkältete zu behandeln. Das Gesundheitsministerium hatte heute kein Personal dafür. Aber ins Krankenhaus ist es ihnen zu weit.
Deren Männer sind nach Quito gefahren, um zu protestieren. Frauen und Kinder bleiben hier zurück. Das zeigt an, dass diese Aktion  von Seiten der Indios nicht gut vorbereitet war.
Mehr und mehr macht sich der Unmut der restlichen Bevölkerung bemerkbar. Aber die sind nicht so gut organisiert, Da gibt es keinen Chef, der alleine sagt, wo es lang geht. Und so spitzt sich derzeit die Wut der Indios in Quito zu. Auch sonst im Land wird gestreikt, aber meist friedlich. Auch in Puyo sind die meisten Schreier ruhiger - oder nach Quito gezogen.
Jetzt kann keine Seite mehr zurück. Die Regierung handelt klug und regiert vom entfernten Guayaquil aus.
Sie macht klare Angebote, das eingenommene Geld an die Ärmsten zu verteilen. (Landwirtschaftliche Projekte, Sozialfonds etc . Es wird Zeit, dass sich die ruhige Mehrheit der Bevölkerung auch mal organisiert. Der Ausgang ist offen.
Deswegen haben derzeit auch die sozialen Medien mit allerlei Fake news und gezielten Fehlinformationen Hochkonjunktor, allen voran die Verschwörungstheorien ohne Angabe des Autors mit der Bitte: Versendet diese Nachricht bitte weltweit!....... Wieviel falsches Zeugnis wird da oft gedankenlos weitergegeben?.......