Abschied: Kurzbrief # 1400
Der November ist immer ein besonderer Monat, in dem wir der Verstorbenen gedenken, auch der Kriegsopfer, was uns weniger betrifft.
Unsere Eltern sind versorgt. Polinnen kümmern sich um sie. Die Eltern können den Service mit ihrer Rente bezahlen und es ist ein Segen, dass sie noch in ihrem Zuhause leben können .
Dann der Anruf, dass Eckeharts Mutter wieder mal im Krankenhaus ist, schließlich die Diagnose: Dickdarmkrebs. Es muss etwas gemacht werden, bevor dieser den Darm komplett verschließt. Ihr Herz ist schwach. Die OP muss verschoben werden. Bei der Einleitung der Narkose dann Herzstillstand - keine Op - Intensivstation - Palliativstation.
Mein Vater wird schwächer, muss mit dem Krankenwagen zur Unterschrift der notwenigen Dokumente seiner Frau gefahren werden - auch er bleibt auf Intensiv und verschlechtert sich täglich - Palliativstation. Da war klar. Eckehart musste fliegen, kam an und konnte mit den Eltern noch sprechen, als sie klar bei Verstand waren.
Meine Geschwister waren anwesend, wir haben uns Tag und Nacht abgewechselt. Die Zeitumstellung kam mir dabei zugute. Kleinigkeiten wie das Hörgerät halfen bei der Verständigung, was man als Außenstehender erst einmal bemerken muss.
Die Eltern waren beieinander, wir bei ihnen. Dann habe ich meinen Vater gehen sehen. 15 min nach seinem Tod war das nur noch eine Hülle, nicht mehr er selbst.
Beerdigungsvorbereitungen, Sarg aussuchen, Familien und Freunde informieren.... Wir waren beschäftigt. Vater hatte alles vorbreitet - aber für seine Frau.
Mutter hat bewusst mitbekommen, dass ihr Mann für immer gegangen ist und sie hört auf zu Trinken, schläft und dämmert dahin mit unregelmäßiger Atmung. 29 Std. später ist auch sie gegangen - es bleibt eine Hülle.
Wieder Änderung aller Papieren und Zeitungsannoncen. Ein Abschiedsgottesdienst in ihrer Kirche mit vielen Freunden aus dem Dorf. Viele Gespräche mit den Nachbarn, die ihnen in der Pflegezeit mit Taxiservice, Einkaufen und vielen anderen Hilfen zur Seite gestanden hatten. Die Eltern waren Zentrum einer Kirchengemeinde im Alter gewesen.
Die gemeinsame Beerdigung wird geplant. Es bleiben zwei Tage der persönlichen Trauer. Dann kommen unsere Familien, um die (Ur) Großeltern zu verabschieden. Familientreffen, viele Gespräche und dann die Urenkel, die der "Feier" der Alten eine Zukunft vermitteln.
Sie haben Mandarinen ans Grab mitgebracht. Die Urgroßelten hatten für jede Familie wie üblich eine Kiste Mandarinen bestellt. Die kam an den Tagen des Sterbens bei den Urenkeln an. Sie haben einige als Dank ans Grab gelegt.
Die Beerdigung, gut vorbereitet, mit mitgebrachten Rosen aus Ecuador.
Die Eltern waren vorbreitet, besonders im Glauben. Die Erbschaft ist geregelt. Unter den Kindern gibt es kein Problem. Alles im Frieden trotz der Tränen. Ein gesegnetes Ende, ein Abschied, der zwar weh tut und verarbeitet werden will. Nun sind wir Kinder in die nächsten, die gehen werden.
Ein Tag nach der Beerdigung ist Eckehart wieder in Quito und predigt am Sonntag. Das Leben geht weiter. Meine Geschwister trauern jeder auf seine Weise. Wir können Gott nur loben über das Timing. Das Leben geht weiter!!!
Samstag, 30. November 2019
Donnerstag, 14. November 2019
Wir sehen Licht am Ende des Tunnels von Shell
Derzeit ist Tauwetter auf unseren Konten. Sie schmelzen. Die Steuer für die Gemeinde über $ 42.000,-, der Notar knapp $ 9.000,-. Wir dachten schon mehrfach, dass das alles wäre und werden weiterhin von einem Schreibtisch zum anderen geschickt. Aber in einer Woche müsste die Umschreibung des Geländes beendet sein. Dann können wir mit der Schuldentilgung beginnen. Und dabei läuft die Renovierung. Derzeit werden die Patientenzimmer gestrichen, die Sauerstoff- und Absaugungsanschlüsse angebracht. Als letztes kommt dann die Versiegelung des Fußbodens. Zum Jahresende soll dann die Hälfte des Bettenbaus fertig sein mit einer provisorischen Wand zum anderen Teil, der danach renoviert wird.
Wo ist dann das Licht? Wir führen vermehrt ambulante Operationen durch. Das sind Einnahmen. Derzeit gibt es viele Feste in unserer Gegend (Dorffest, Provinzfest etc. etc.). So ist das im November und es kommen weniger Patienten. Das gleichen die Operationen ein wenig aus. Und wir spüren Gottes Schutz. Eine 50-jährige Frau kam mit vielen Myomen, gutartigen Tumoren der Gebärmutter. Alle Voruntersuchungen bei uns und vorher anderswo bestätigten das. Und dann war da ein Bauch voller kleiner Metastasen. Einmal angefangen musste alles zu Ende gebracht werden. Sie hat viel Blut verloren. Jetzt warten wir auf das Ergebnis der Pathologie und können dann die weitere Therapie woanders festlegen.
Eine 16-jährige Patienten mit Downsyndrom hat sich vor einem halben Jahr das Schlüsselbein gebrochen. Ein Teil des Knochens durchbohrte die Haut. Eine chronische Knochenvereiterung haben wir heute operiert. Ganz nahe am Schlüsselbein gibt es wichtige Blutgefäße und Nerven. Ich habe meine Zweifel, dass die heutige OP genug war.
Und es gibt noch weitere Hoffnung: Ab Januar 2020 wollen wir den Antrag auf eine Tagesklinik stellen. Dann können wir offiziell operieren und auch mal einen Patienten über Nacht hier behalten. Wir brauchen mehr andere Fachärzte - bislang ohne Erfolg.
Plötzliche eine Änderung im staatlichen Gesundheitssystem: Die vorherige Regierung hatte tausende kubanische Ärzte ins Land geholt, die hauptsächlich in ländlichen Hospitälern arbeiteten. Deren Verträge laufen jetzt aus. Nach letzten Meldungen kostet so ein Facharzt den ecuatorianischen Staat ca. $ 4000,-/Monat, er/sie selbst erhält davon ca $ 1700,-. Den Rest kassiert der kubanische Staat. Für mich eine Form des Menschenhandels. Dieser Tage wurden all diese Verträge beendet. Sie sollen heimkehren. Doch Viele von ihnen sind mit Ecuatorianern verheiratet, haben Kinder und wollen bleiben. Auf einmal kommt eine Schwemme von arbeitswilligen Fachärzten auf uns zu. Sie suchen Arbeit und sind zu Zugeständnissen bereit.
So werden wir 2020 mit der Erweiterung der Klinik neue Dienstleistungen anbieten.
Basis bleibt die Allgemeinmedizin. Dazu kommt die Innere Medizin, Augenheilkunde, Gastroenterologie (Magen-Darmspiegelungen) und anderes, was ich heute noch nicht sehe. Diese Ärzte werden aber nicht arbeitsrechtlich angestellt, sondern nur für ihre Arbeit in Sprechstunde und besonderen Leistungen bezahlt, also für uns weniger Risiko (keine Sozialversicherung, kein Urlaubsgeld etc.).
Das ist eine weiterer Schritt, aber auch mehr Arbeit bei der Integration in unser Team. Wir können ihnen weniger vorschreiben. Beide Seiten können sich über Nacht trennen.
Und ein letzter Aspekt zu diesem Thema. Beispiel Gastroenterologe. Er macht seine Magen-Darmspiegelungen, aber die Sedierung des Patienten, um ihn dazu ruhig zu stellen, haben wir selbstverständlich früher selbst mitgemacht. Er muss jetzt lernen, das ohne einen Narkosearzt selbst zu machen. Die neuen Ärzte, die kommen, haben kein erweitertes Können mehr. Sie sind gute "Schmalspurärzte" - Chance für unsere Allgemeinärzte, da die Kontrolle zu übernehmen! Wir müssen lernen, neue Maßstäbe zu setzen.
Wo ist dann das Licht? Wir führen vermehrt ambulante Operationen durch. Das sind Einnahmen. Derzeit gibt es viele Feste in unserer Gegend (Dorffest, Provinzfest etc. etc.). So ist das im November und es kommen weniger Patienten. Das gleichen die Operationen ein wenig aus. Und wir spüren Gottes Schutz. Eine 50-jährige Frau kam mit vielen Myomen, gutartigen Tumoren der Gebärmutter. Alle Voruntersuchungen bei uns und vorher anderswo bestätigten das. Und dann war da ein Bauch voller kleiner Metastasen. Einmal angefangen musste alles zu Ende gebracht werden. Sie hat viel Blut verloren. Jetzt warten wir auf das Ergebnis der Pathologie und können dann die weitere Therapie woanders festlegen.
Eine 16-jährige Patienten mit Downsyndrom hat sich vor einem halben Jahr das Schlüsselbein gebrochen. Ein Teil des Knochens durchbohrte die Haut. Eine chronische Knochenvereiterung haben wir heute operiert. Ganz nahe am Schlüsselbein gibt es wichtige Blutgefäße und Nerven. Ich habe meine Zweifel, dass die heutige OP genug war.
Und es gibt noch weitere Hoffnung: Ab Januar 2020 wollen wir den Antrag auf eine Tagesklinik stellen. Dann können wir offiziell operieren und auch mal einen Patienten über Nacht hier behalten. Wir brauchen mehr andere Fachärzte - bislang ohne Erfolg.
Plötzliche eine Änderung im staatlichen Gesundheitssystem: Die vorherige Regierung hatte tausende kubanische Ärzte ins Land geholt, die hauptsächlich in ländlichen Hospitälern arbeiteten. Deren Verträge laufen jetzt aus. Nach letzten Meldungen kostet so ein Facharzt den ecuatorianischen Staat ca. $ 4000,-/Monat, er/sie selbst erhält davon ca $ 1700,-. Den Rest kassiert der kubanische Staat. Für mich eine Form des Menschenhandels. Dieser Tage wurden all diese Verträge beendet. Sie sollen heimkehren. Doch Viele von ihnen sind mit Ecuatorianern verheiratet, haben Kinder und wollen bleiben. Auf einmal kommt eine Schwemme von arbeitswilligen Fachärzten auf uns zu. Sie suchen Arbeit und sind zu Zugeständnissen bereit.
So werden wir 2020 mit der Erweiterung der Klinik neue Dienstleistungen anbieten.
Basis bleibt die Allgemeinmedizin. Dazu kommt die Innere Medizin, Augenheilkunde, Gastroenterologie (Magen-Darmspiegelungen) und anderes, was ich heute noch nicht sehe. Diese Ärzte werden aber nicht arbeitsrechtlich angestellt, sondern nur für ihre Arbeit in Sprechstunde und besonderen Leistungen bezahlt, also für uns weniger Risiko (keine Sozialversicherung, kein Urlaubsgeld etc.).
Das ist eine weiterer Schritt, aber auch mehr Arbeit bei der Integration in unser Team. Wir können ihnen weniger vorschreiben. Beide Seiten können sich über Nacht trennen.
Und ein letzter Aspekt zu diesem Thema. Beispiel Gastroenterologe. Er macht seine Magen-Darmspiegelungen, aber die Sedierung des Patienten, um ihn dazu ruhig zu stellen, haben wir selbstverständlich früher selbst mitgemacht. Er muss jetzt lernen, das ohne einen Narkosearzt selbst zu machen. Die neuen Ärzte, die kommen, haben kein erweitertes Können mehr. Sie sind gute "Schmalspurärzte" - Chance für unsere Allgemeinärzte, da die Kontrolle zu übernehmen! Wir müssen lernen, neue Maßstäbe zu setzen.
Montag, 14. Oktober 2019
Ist der streik vorbei? JA oder NEIN?
Das Wochenende war der Höhepunkt des Streiks. Tausende neuer Indios kamen in die Stadt Quito, um den Protestierenden zu helfen. Aber auf der anderen Seite - und das hat wohl wenig mit den Indigenen zu tun, gab es eine Welle der Zerstörung in der Hauptstadt. Ein Regierungsgebäude wurde gestürmt, total verwüstet und angezündet, sicher ca. 12 Stockwerke verwüstet. Straßen aufgerissen, um Steine zu haben. Sie haben auch mit kleinen „Raketen“ aus Plastikrohren so für 20 - 30 Meter Entfernung mit Feuer geschossen. Das Gebäude einer Fernsehstation wurde angegriffen, Fahrzeuge angezündet, Fensterscheiben gingen zu Bruch. Die Feuerwehr konnte nicht löschen. Es war wie im Krieg, viel schlimmer als bei all den Protesten, die wir kennen - und wir kennen uns inzwischen bei Protesten aus. Die Schäden gehen in die mehrere 10 Millionen. Und da waren zusätzlich andere Kräfte am Werk.
Der Präsident hatte die Regierung nach Guayaquil an die Küste verlegt. Dann am Abend ein Treffen mit den Leitern der Indiogruppen und die Entscheidung: Der Streik wird abgeblasen und die Sache neu verhandelt.
Da stehen wir nun.
Quintessenz: Eigentlich ist der Streik noch nicht vorüber aber alle Straßen sind offen. Es gibt in Shell und im Oriente wieder Gemüse und Früchte. Die Tankstellen sind nach wie vor leer, denn bis Sprit hierher kommt, dauert es 2 - 3 Tage.
Der Streitpunktin Slogans: Neoliberalismus gegen Sozialismus - oder übersetzt: Mehr Marktwirtschaft oder Planwirtschaft. Es gibt noch viel mehr Schlagworte.
Unser Land hat sich an die Subventionen der Regierung gewöhnt. Dass unsere spottbilligen Gastanks und subventioniertes Benzin/Diesel nach Kolumbien und Peru verschwinden, ist ein offenes Geheimnis. Das bleibt erste einmal so. Die freuen sich. Und warum muss ein Ausländer oder Tourist auch subventioniert werden? Energiesparen macht in Ecuador keinen Sinn. Dabei reichen die Energiereserven des Landes für nur noch geschätzte 10 Jahre. Dann ist Schluss mit lustig.
Heute kamen wieder mehr Patienten in unsere Klinik. Einige der Männer hatten noch ihre Kriegsbemalung vom Wochenende und ich muss ehrlich sagen, dass in mir Wut hochstieg. Auch ich bin nicht frei von Gefühlen, wenn sich dann einer über den Preis der Behandlung mokiert. Hier ist nicht alle Behandlung umsonst. Und das Gesundheitsministerium hat die Familienangehörigen, die aus dem Urwald nach Puyo oder aus dem Hochland nach Quito kamen, nicht behandelt, es sein denn wirkliche Notfälle.
Der Konflikt ist noch lange nicht zu ende. Noch werden auf beiden Seiten die Wunden geleckt und eine Einigung nicht in Sicht. Es kann jeder Zeit weiter gehen. Zum ersten Mal, seit 60 Jahren wurde ein Präsident "nur" gebremst. Lenín Moreno bleibt weiter im Amt. Er musste nicht im Flugzeug aus dem Land fliehen. Der ist bodenständig und kann auch Niederlagen hinnehmen. Er hat wohl später keinen Korruptionsvorwurf zu befürchten im Gegensatz zu seinen Vorgängern. Das ist neu.
Wir haben gemerkt, wie mächtig Gebet ist. An diesem entscheidenden Sonntag haben viele, viele Christen mit sich und Gott gerungen, auch unter den Indios. Eine so schnelle Einung war eine Überraschung. Gott ist groß.....
Und noch etwas. Das 9. der Zehn Gebote hat für mich eine neue Tiefe gewonnen - den anderen nicht schlecht zu machen. Darin sind besonders die Sozialen Medien groß: Hassbotschaften, falsche Nachrichten, Fake News, Videos aus anderen Länder und aus anderen Zeiten schufen Feindbilder und machten Menschen wütend. Wo geben wir fake news weiter, ohne sie vorher nachgeprüft zu haben?
Der Präsident hatte die Regierung nach Guayaquil an die Küste verlegt. Dann am Abend ein Treffen mit den Leitern der Indiogruppen und die Entscheidung: Der Streik wird abgeblasen und die Sache neu verhandelt.
Da stehen wir nun.
Quintessenz: Eigentlich ist der Streik noch nicht vorüber aber alle Straßen sind offen. Es gibt in Shell und im Oriente wieder Gemüse und Früchte. Die Tankstellen sind nach wie vor leer, denn bis Sprit hierher kommt, dauert es 2 - 3 Tage.
Der Streitpunktin Slogans: Neoliberalismus gegen Sozialismus - oder übersetzt: Mehr Marktwirtschaft oder Planwirtschaft. Es gibt noch viel mehr Schlagworte.
Unser Land hat sich an die Subventionen der Regierung gewöhnt. Dass unsere spottbilligen Gastanks und subventioniertes Benzin/Diesel nach Kolumbien und Peru verschwinden, ist ein offenes Geheimnis. Das bleibt erste einmal so. Die freuen sich. Und warum muss ein Ausländer oder Tourist auch subventioniert werden? Energiesparen macht in Ecuador keinen Sinn. Dabei reichen die Energiereserven des Landes für nur noch geschätzte 10 Jahre. Dann ist Schluss mit lustig.
Heute kamen wieder mehr Patienten in unsere Klinik. Einige der Männer hatten noch ihre Kriegsbemalung vom Wochenende und ich muss ehrlich sagen, dass in mir Wut hochstieg. Auch ich bin nicht frei von Gefühlen, wenn sich dann einer über den Preis der Behandlung mokiert. Hier ist nicht alle Behandlung umsonst. Und das Gesundheitsministerium hat die Familienangehörigen, die aus dem Urwald nach Puyo oder aus dem Hochland nach Quito kamen, nicht behandelt, es sein denn wirkliche Notfälle.
Der Konflikt ist noch lange nicht zu ende. Noch werden auf beiden Seiten die Wunden geleckt und eine Einigung nicht in Sicht. Es kann jeder Zeit weiter gehen. Zum ersten Mal, seit 60 Jahren wurde ein Präsident "nur" gebremst. Lenín Moreno bleibt weiter im Amt. Er musste nicht im Flugzeug aus dem Land fliehen. Der ist bodenständig und kann auch Niederlagen hinnehmen. Er hat wohl später keinen Korruptionsvorwurf zu befürchten im Gegensatz zu seinen Vorgängern. Das ist neu.
Wir haben gemerkt, wie mächtig Gebet ist. An diesem entscheidenden Sonntag haben viele, viele Christen mit sich und Gott gerungen, auch unter den Indios. Eine so schnelle Einung war eine Überraschung. Gott ist groß.....
Und noch etwas. Das 9. der Zehn Gebote hat für mich eine neue Tiefe gewonnen - den anderen nicht schlecht zu machen. Darin sind besonders die Sozialen Medien groß: Hassbotschaften, falsche Nachrichten, Fake News, Videos aus anderen Länder und aus anderen Zeiten schufen Feindbilder und machten Menschen wütend. Wo geben wir fake news weiter, ohne sie vorher nachgeprüft zu haben?
Freitag, 11. Oktober 2019
Die Situation in Ecuador, Stand 11. Oktober 2019
Wir sitzen hier in Shell, seit einer Woche quasi ohne Einnahmen für unsere Klinik. Nur wenige Patienten kommen durch zu uns (und auch wieder heim). Überall Straßensperren. Es gibt keine frischen Lebensmittel mehr. In einige noch isoliertere Städte wie Cuenca fliegt die Regierung bereits Lebensmittel ein.
Der Regierungssitz wurde nach Guayaquil verlegt. So sitzen die Indios jetzt zu Tausenden in Quito und protestieren. Nach den ersten sehr gewalttätigen Tagen mit Plünderungen sind die Leute in Quito zu Tausenden aufgestanden, um für friedliche Proteste zu demonstrieren. Das zeigt eine große Unterstützung für die Regierung an. Das Leben in Quito und Guayaquil normalisiert sich. Die Straßenschlachten finden um das Regierungsviertel statt. Rotes Kreuz und andere Gesundheitsdienste werden immer wieder an der Arbeit behindert. Die Indios sind isoliert. Jetzt leiden sie. Sie kamen mit Frauen und Kindern. Diese werden in zwei Universitäten in der Nähe untergebracht. Jetzt betteln sie um Decken und Nahrung.
Ähnliches erleben wir in Puyo. Heute sollten wir zu Frauen und Kindern bei den Streikposten hingehen, um Fußkranke und Erkältete zu behandeln. Das Gesundheitsministerium hatte heute kein Personal dafür. Aber ins Krankenhaus ist es ihnen zu weit.
Deren Männer sind nach Quito gefahren, um zu protestieren. Frauen und Kinder bleiben hier zurück. Das zeigt an, dass diese Aktion von Seiten der Indios nicht gut vorbereitet war.
Mehr und mehr macht sich der Unmut der restlichen Bevölkerung bemerkbar. Aber die sind nicht so gut organisiert, Da gibt es keinen Chef, der alleine sagt, wo es lang geht. Und so spitzt sich derzeit die Wut der Indios in Quito zu. Auch sonst im Land wird gestreikt, aber meist friedlich. Auch in Puyo sind die meisten Schreier ruhiger - oder nach Quito gezogen.
Jetzt kann keine Seite mehr zurück. Die Regierung handelt klug und regiert vom entfernten Guayaquil aus.
Sie macht klare Angebote, das eingenommene Geld an die Ärmsten zu verteilen. (Landwirtschaftliche Projekte, Sozialfonds etc . Es wird Zeit, dass sich die ruhige Mehrheit der Bevölkerung auch mal organisiert. Der Ausgang ist offen.
Deswegen haben derzeit auch die sozialen Medien mit allerlei Fake news und gezielten Fehlinformationen Hochkonjunktor, allen voran die Verschwörungstheorien ohne Angabe des Autors mit der Bitte: Versendet diese Nachricht bitte weltweit!....... Wieviel falsches Zeugnis wird da oft gedankenlos weitergegeben?.......
Der Regierungssitz wurde nach Guayaquil verlegt. So sitzen die Indios jetzt zu Tausenden in Quito und protestieren. Nach den ersten sehr gewalttätigen Tagen mit Plünderungen sind die Leute in Quito zu Tausenden aufgestanden, um für friedliche Proteste zu demonstrieren. Das zeigt eine große Unterstützung für die Regierung an. Das Leben in Quito und Guayaquil normalisiert sich. Die Straßenschlachten finden um das Regierungsviertel statt. Rotes Kreuz und andere Gesundheitsdienste werden immer wieder an der Arbeit behindert. Die Indios sind isoliert. Jetzt leiden sie. Sie kamen mit Frauen und Kindern. Diese werden in zwei Universitäten in der Nähe untergebracht. Jetzt betteln sie um Decken und Nahrung.
Ähnliches erleben wir in Puyo. Heute sollten wir zu Frauen und Kindern bei den Streikposten hingehen, um Fußkranke und Erkältete zu behandeln. Das Gesundheitsministerium hatte heute kein Personal dafür. Aber ins Krankenhaus ist es ihnen zu weit.
Deren Männer sind nach Quito gefahren, um zu protestieren. Frauen und Kinder bleiben hier zurück. Das zeigt an, dass diese Aktion von Seiten der Indios nicht gut vorbereitet war.
Mehr und mehr macht sich der Unmut der restlichen Bevölkerung bemerkbar. Aber die sind nicht so gut organisiert, Da gibt es keinen Chef, der alleine sagt, wo es lang geht. Und so spitzt sich derzeit die Wut der Indios in Quito zu. Auch sonst im Land wird gestreikt, aber meist friedlich. Auch in Puyo sind die meisten Schreier ruhiger - oder nach Quito gezogen.
Jetzt kann keine Seite mehr zurück. Die Regierung handelt klug und regiert vom entfernten Guayaquil aus.
Sie macht klare Angebote, das eingenommene Geld an die Ärmsten zu verteilen. (Landwirtschaftliche Projekte, Sozialfonds etc . Es wird Zeit, dass sich die ruhige Mehrheit der Bevölkerung auch mal organisiert. Der Ausgang ist offen.
Deswegen haben derzeit auch die sozialen Medien mit allerlei Fake news und gezielten Fehlinformationen Hochkonjunktor, allen voran die Verschwörungstheorien ohne Angabe des Autors mit der Bitte: Versendet diese Nachricht bitte weltweit!....... Wieviel falsches Zeugnis wird da oft gedankenlos weitergegeben?.......
Dienstag, 8. Oktober 2019
Ecuador im Chaos
Vor 5 Tagen hat die Regierung das Ende der Subsidien für Benzin und Diesel beschlossen, was im Klartext eine Verdoppelung der Spritpreise bedeutet. Neben den Spritpreise wurden aber auch die Gehälter der staatlichen Angestellten um 20% und deren Ferien auf wie hier üblich 15 Tage reduziert. Auf der anderen Seite wurden die Sozialleistungen für die arme Bevölkerung drastisch erhöht.
Zunächst haben daraufhin die Transportunternehmen zwei Tage lang gestreikt, danach das ganze Land. Es sind in erster Linie die Indianer der Sierra und nun auch des östlichen Tieflandes. Die Straßen sind gesperrt und Städte werden von den Indigenen belagert. In unserer Provinzhauptstadt Puyo und in Riobamba haben sie die Provinzverwaltung besetzt. Die Geschäfte sind zu, Tankstellen leer. Wer zur Arbeit will wie unsere Mitarbeiter, muss laufen. Einige Motorräder fahren Menschen für horrende Preise einige Kilometer bis in die Nähe der nächsten Streikposten, doch denen werden dort die Reifen nicht nur zerstochen, sondern aufgeschlitzt.
In Ambato wurden Antennen für Radio und TV besetzt. Es werden keine Programme mehr ausgestrahlt.
Viel schlimmer aber ist der Pöbel, die das Chaos nutzt. Es wurden Läden mit Waschmaschinen, Fernsehen etc. geplündert, Apotheken und Handyläden ausgeraubt. Das sind einzelne Vorkommnisse, aber da tobt sich der Pöbel aus und zerstört.
Die Indigenen sind bestens vernetzt. Ganze Dörfer aus dem Hochland sind derzeit unterwegs, um am Mittwoch in Quito zu demonstrieren. Und alle müssen mit, ob einer will oder nicht. Ziel ist, die Regierung zu stürzen. Dahinter stecken auch andere Kräfte wie der ehemalige Präsident Correa und seine Freunde, natürlich nur verdeckt.
Was dieser Tage offen zu Tage tritt ist eine enorme Wut, die sich in Zerstörung und Raub entlädt. Aber es wird auch deutlich die Kultur der indianischen Lebensweise. Sie müssen und können nur gemeinsam reagieren und die Leiter legen das fest. Deswegen müssen sie mitmachen, ob es gefällt oder nicht. Wie viele Christen gibt es nicht unter ihnen, die das gar nicht wollen, aber das spielt keine Rollen. Sie sind Teil des Ganzen. Individualismus gibt es nicht.
Und auf der anderen Seite hunderte von Polizisten und sicher auch Militärs, die den Regierungssitz schützen müssen. Sie knien auf dem Platz und beten zusammen vor dem großen Einsatz.
Wir brauchen das Gebet vieler, dass es dieses Mal nicht wieder zum Regierungszusammenbruch kommt. Der Präsident ist vorsichtshalber schon mal in Guayaquil. Die Mehrheit der Bevölkerung steht nach wie vor noch hinter ihm, aber das Gesetz der Straße ist oft Ton angebend. Die nächsten Tage entscheiden.
Zunächst haben daraufhin die Transportunternehmen zwei Tage lang gestreikt, danach das ganze Land. Es sind in erster Linie die Indianer der Sierra und nun auch des östlichen Tieflandes. Die Straßen sind gesperrt und Städte werden von den Indigenen belagert. In unserer Provinzhauptstadt Puyo und in Riobamba haben sie die Provinzverwaltung besetzt. Die Geschäfte sind zu, Tankstellen leer. Wer zur Arbeit will wie unsere Mitarbeiter, muss laufen. Einige Motorräder fahren Menschen für horrende Preise einige Kilometer bis in die Nähe der nächsten Streikposten, doch denen werden dort die Reifen nicht nur zerstochen, sondern aufgeschlitzt.
In Ambato wurden Antennen für Radio und TV besetzt. Es werden keine Programme mehr ausgestrahlt.
Viel schlimmer aber ist der Pöbel, die das Chaos nutzt. Es wurden Läden mit Waschmaschinen, Fernsehen etc. geplündert, Apotheken und Handyläden ausgeraubt. Das sind einzelne Vorkommnisse, aber da tobt sich der Pöbel aus und zerstört.
Die Indigenen sind bestens vernetzt. Ganze Dörfer aus dem Hochland sind derzeit unterwegs, um am Mittwoch in Quito zu demonstrieren. Und alle müssen mit, ob einer will oder nicht. Ziel ist, die Regierung zu stürzen. Dahinter stecken auch andere Kräfte wie der ehemalige Präsident Correa und seine Freunde, natürlich nur verdeckt.
Was dieser Tage offen zu Tage tritt ist eine enorme Wut, die sich in Zerstörung und Raub entlädt. Aber es wird auch deutlich die Kultur der indianischen Lebensweise. Sie müssen und können nur gemeinsam reagieren und die Leiter legen das fest. Deswegen müssen sie mitmachen, ob es gefällt oder nicht. Wie viele Christen gibt es nicht unter ihnen, die das gar nicht wollen, aber das spielt keine Rollen. Sie sind Teil des Ganzen. Individualismus gibt es nicht.
Und auf der anderen Seite hunderte von Polizisten und sicher auch Militärs, die den Regierungssitz schützen müssen. Sie knien auf dem Platz und beten zusammen vor dem großen Einsatz.
Wir brauchen das Gebet vieler, dass es dieses Mal nicht wieder zum Regierungszusammenbruch kommt. Der Präsident ist vorsichtshalber schon mal in Guayaquil. Die Mehrheit der Bevölkerung steht nach wie vor noch hinter ihm, aber das Gesetz der Straße ist oft Ton angebend. Die nächsten Tage entscheiden.
Donnerstag, 3. Oktober 2019
03. Oktober - ein ganz besonderer Tag für Eckehart
Heute wird in Deutschland die Einigung gefeiert, dieses Jahr in Kiel bei nicht mehr ganz so heißem Wetter. Jedenfalls haben alle dicke Jacken an.
Hier sieht es anders aus. Die Kinder haben zwei Tage schulfrei, aber nicht wegen einer Feier. Es ist nach langer Zeit wieder einmal ein landesweiter Streik, alle Straßen blockiert. Die Regierung und das Parlament haben beschlossen, die Subvention für Benzin und Diesel aufzuheben. Somit steigt der Spritpreis ca. auf das Doppelte. Es war eine längst überflüssige Maßnahme einer Staates der bis über beide Ohren in Schulden steckt. Viele Ecuatorianer haben volles Verständnis dafür, aber die Lobby der Bus - und LKW-Unternehmen streikt und jeder weiß, dass sich jetzt die Preise für ALLES erhöhen werden.
Aber für mich, Eckehart, ist dieser Tag aus einem anderen Grund wichtig. Am 03. April 2021 werde ich 70 Jahre alt und werde mit dem Operieren aufhören. Spätestens dann wollen wir uns hier verabschieden. Also muss jetzt Tempo gemacht werden.
Unsere Pläne waren gut, aber immer kam etwas dazwischen. Alles hat sich verlängert.
Der jetzige Stand ist: Am Ende diesen Jahres ist die Renovierung des halben Hospitals abgeschlossen. Die andere Hälfte hat Zeit. Dann sind die OPs und Patientenräume fertig für eine Tagesklinik. Dann können wir drei wichtige Bereiche beginnen: Operationen, Endoskopie (Magen- und Darmspiegelungen) und Geburten. Wir schauen uns seit längerer Zeit nach Ärzten um, die dann stundenweise Sprechstunden anbieten und dann mit diesen Patienten entsprechende Behandlungen durchführen. Denn nur durch zusätzliche Ärzte und deren Fachbehandlung ist die Klinik auf Dauer gesichert. Einen Chirurgen, der Orthopädie, Urologie und Gynäkologie operationstechnisch abdeckt, gibt es nicht mehr. Ein HNO- oder-und Augenarzt wäre nicht schlecht und hätte genügend Arbeit.
Der Tag heute zeigt uns wieder die Notwendigkeit der Wachablösung an.
Wir merken, dass wir keine 50 mehr sind. Dennoch sind wir mit Freunden bei der Arbeit. Unser Team wächst weiter zusammen aber das reicht nicht. Die gemeinsamen Andachten am Morgen werden besser = geistlich tiefer. Unser Gebetskreis jeden Mittwoch wächst nach der Sommerpause wieder und ist begeistert dabei. Komplikationen bei Operationen schweißt unser Team zusammen. Jeder gibt mit Freuden, was er/sie kann und hat. (Blutspende, Materialien mitten in der Nacht suchen etc.). Wir erleben den Segen Gottes.
Aber jetzt ist eine neue Stufe der Arbeit dran und wir beten um:
- Weitere ärztliche Mitarbeiter, die sich integrieren lassen und nicht nur einen Job suchen.
- Weitere Pfleger/Pflegehelfer als Teil des Teams
- Die Finanzen beim Kauf des Hospitals/Geländes
In 1 1/2 Jahren möchten wir in Deutschland sein, Freunde und Gemeinden vielleicht per Fahrrad besuchen , dort Zeit zu verbringen, unser Leben mit ihnen zu teilen, weniger Stress zu haben und zu sehen, wie es ohne uns in Shell weitergeht. "Unser Kind" ist dann hoffentlich selbständig.
Hier sieht es anders aus. Die Kinder haben zwei Tage schulfrei, aber nicht wegen einer Feier. Es ist nach langer Zeit wieder einmal ein landesweiter Streik, alle Straßen blockiert. Die Regierung und das Parlament haben beschlossen, die Subvention für Benzin und Diesel aufzuheben. Somit steigt der Spritpreis ca. auf das Doppelte. Es war eine längst überflüssige Maßnahme einer Staates der bis über beide Ohren in Schulden steckt. Viele Ecuatorianer haben volles Verständnis dafür, aber die Lobby der Bus - und LKW-Unternehmen streikt und jeder weiß, dass sich jetzt die Preise für ALLES erhöhen werden.
Aber für mich, Eckehart, ist dieser Tag aus einem anderen Grund wichtig. Am 03. April 2021 werde ich 70 Jahre alt und werde mit dem Operieren aufhören. Spätestens dann wollen wir uns hier verabschieden. Also muss jetzt Tempo gemacht werden.
Unsere Pläne waren gut, aber immer kam etwas dazwischen. Alles hat sich verlängert.
Der jetzige Stand ist: Am Ende diesen Jahres ist die Renovierung des halben Hospitals abgeschlossen. Die andere Hälfte hat Zeit. Dann sind die OPs und Patientenräume fertig für eine Tagesklinik. Dann können wir drei wichtige Bereiche beginnen: Operationen, Endoskopie (Magen- und Darmspiegelungen) und Geburten. Wir schauen uns seit längerer Zeit nach Ärzten um, die dann stundenweise Sprechstunden anbieten und dann mit diesen Patienten entsprechende Behandlungen durchführen. Denn nur durch zusätzliche Ärzte und deren Fachbehandlung ist die Klinik auf Dauer gesichert. Einen Chirurgen, der Orthopädie, Urologie und Gynäkologie operationstechnisch abdeckt, gibt es nicht mehr. Ein HNO- oder-und Augenarzt wäre nicht schlecht und hätte genügend Arbeit.
Der Tag heute zeigt uns wieder die Notwendigkeit der Wachablösung an.
Wir merken, dass wir keine 50 mehr sind. Dennoch sind wir mit Freunden bei der Arbeit. Unser Team wächst weiter zusammen aber das reicht nicht. Die gemeinsamen Andachten am Morgen werden besser = geistlich tiefer. Unser Gebetskreis jeden Mittwoch wächst nach der Sommerpause wieder und ist begeistert dabei. Komplikationen bei Operationen schweißt unser Team zusammen. Jeder gibt mit Freuden, was er/sie kann und hat. (Blutspende, Materialien mitten in der Nacht suchen etc.). Wir erleben den Segen Gottes.
Aber jetzt ist eine neue Stufe der Arbeit dran und wir beten um:
- Weitere ärztliche Mitarbeiter, die sich integrieren lassen und nicht nur einen Job suchen.
- Weitere Pfleger/Pflegehelfer als Teil des Teams
- Die Finanzen beim Kauf des Hospitals/Geländes
In 1 1/2 Jahren möchten wir in Deutschland sein, Freunde und Gemeinden vielleicht per Fahrrad besuchen , dort Zeit zu verbringen, unser Leben mit ihnen zu teilen, weniger Stress zu haben und zu sehen, wie es ohne uns in Shell weitergeht. "Unser Kind" ist dann hoffentlich selbständig.
Freitag, 27. September 2019
Patientenschicksale - mal wieder
Kommt ein 84-jähriger Mann zu uns mit morgendlichen Schmerzen der oberen Halswirbelsäule. Er war schon vorher bei anderen Ärzten und schließlich kam er zu uns geschickt vom Röntgenologen, der erschrocken war. Der alte Herr hatte eine Fraktur der obersten Halswirbel mit dem zweiten. Der Dornfortsatz am Beginn des Spinalkanals war ohne Verschiebung an der Base gebrochen. Das kann bei entsprechender Blutung zum sofortigen Tod führen. Das Ehepaar wusste es nicht mehr genau: Der Sturz war vor einem oder zwei Monaten. Keinerlei klinische Zeichen für eine neurologische Störung - nur die hohen morgendlichen Nackenschmerzen. Jetzt hat er erst einmal eine Halskrause. Erstaunlich, wie jemand so etwas überlebt. Aber es kann auch anders kommen.
Eine dicke Amerikanerin kommt ihre Familie hier in Shell besuchen. Hoher Blutdruck, Diabetes etc. hat sie mitgebraucht. Ihr Kardiologe hat ihr grünes Licht für die Reise gegeben. Hier stürzt sie auf ihr ohnehin kaputtes Knie und kommt zu uns. Diagnose: Kniearthrose und eine mögliche, wenn auch nicht verschobene Schenkelhalsfraktur. Sie darf belasten und bekommt Schmerzmittel. Sie wird abgeholt. 15 Min. später der Anruf: Sie ist tot. Die Autopsie ergab einen plötzlichen Herztod. Die Familie ist geschockt. Die Mission hat viel Arbeit, den Leichnam nach den USA zu verlegen. Für uns war es eine schreckliche Überraschung. Das gehört zum Leben in einer Klinik.
Eine Studentin im zweiten Semester in Quito kommt zu uns, weil sie von hier ist. Sie hat Klaustrophobie, wird im eng gedrängten Bus in Quito unruhig und schafft das nicht. Das ist ein Thema der Familientherapie für Klaudia. Da sind Themen der Familie seit Jahren, die nicht aufgearbeitet sind und an so einer "seltsamen Stelle", weit ab vom eigentlichen Geschehen, bricht es auf. Da können wir helfen, manchmal auch ohne Medikamente.
Ein alter Mann aus dem Urwald - so alt ist er gar nicht laut Geburtsdatum - kommt mit Atemnot zu uns. Die Lungen sind voller Fibrose = Vernarbung des Gewebes. Und es ist möglich, dass er noch zusätzlich Tuberkulose hat. Die hat nach einigen Tagen als negativ erwiesen. Schuld ist wohl das tägliche Kochen in der Hütte mit viel Qualm und Rauch durch nasses Brennholz. Viel helfen können wir ihm auf Dauer nicht. Jetzt nutzen wir jede Chance, den Schleim zu verdünnen, um die Lungen so gut wie möglich frei zu halten.
Motorradunfall vor fast einer Woche. Der Mann lag mehrere Tage zu Überwachung im staatlichen Krankenhaus: Leichte Hirnblutung bei Stirnfraktur. Alle sonstigen Röntgenaufnahmen normal. 2 Tage nach Entlassung kann er vor Schmerzen seinen rechten Arm nicht mehr bewegen. Die Familie verlangt eine Röntgenaufnahme, obwohl angeblich alles dort untersucht wurde. Ergebnis: Eine komplexe Schulterblattfraktur - eine CT-Untersuchung zeigt, dass wir nicht operieren müssen. Die heilt so - aber es wird Wochen dauern, bis er wieder "normal" bewegen kann. Und so ganz nebenbei sind auch noch 5 Rippen gebrochen.
Wir sind nicht mehr die erste Adresse bei Unfällen und schweren Erkrankungen. Aber wir sind ein wichtiger Knotenpunkt bei entscheidenden Fragen.
Eine dicke Amerikanerin kommt ihre Familie hier in Shell besuchen. Hoher Blutdruck, Diabetes etc. hat sie mitgebraucht. Ihr Kardiologe hat ihr grünes Licht für die Reise gegeben. Hier stürzt sie auf ihr ohnehin kaputtes Knie und kommt zu uns. Diagnose: Kniearthrose und eine mögliche, wenn auch nicht verschobene Schenkelhalsfraktur. Sie darf belasten und bekommt Schmerzmittel. Sie wird abgeholt. 15 Min. später der Anruf: Sie ist tot. Die Autopsie ergab einen plötzlichen Herztod. Die Familie ist geschockt. Die Mission hat viel Arbeit, den Leichnam nach den USA zu verlegen. Für uns war es eine schreckliche Überraschung. Das gehört zum Leben in einer Klinik.
Eine Studentin im zweiten Semester in Quito kommt zu uns, weil sie von hier ist. Sie hat Klaustrophobie, wird im eng gedrängten Bus in Quito unruhig und schafft das nicht. Das ist ein Thema der Familientherapie für Klaudia. Da sind Themen der Familie seit Jahren, die nicht aufgearbeitet sind und an so einer "seltsamen Stelle", weit ab vom eigentlichen Geschehen, bricht es auf. Da können wir helfen, manchmal auch ohne Medikamente.
Ein alter Mann aus dem Urwald - so alt ist er gar nicht laut Geburtsdatum - kommt mit Atemnot zu uns. Die Lungen sind voller Fibrose = Vernarbung des Gewebes. Und es ist möglich, dass er noch zusätzlich Tuberkulose hat. Die hat nach einigen Tagen als negativ erwiesen. Schuld ist wohl das tägliche Kochen in der Hütte mit viel Qualm und Rauch durch nasses Brennholz. Viel helfen können wir ihm auf Dauer nicht. Jetzt nutzen wir jede Chance, den Schleim zu verdünnen, um die Lungen so gut wie möglich frei zu halten.
Motorradunfall vor fast einer Woche. Der Mann lag mehrere Tage zu Überwachung im staatlichen Krankenhaus: Leichte Hirnblutung bei Stirnfraktur. Alle sonstigen Röntgenaufnahmen normal. 2 Tage nach Entlassung kann er vor Schmerzen seinen rechten Arm nicht mehr bewegen. Die Familie verlangt eine Röntgenaufnahme, obwohl angeblich alles dort untersucht wurde. Ergebnis: Eine komplexe Schulterblattfraktur - eine CT-Untersuchung zeigt, dass wir nicht operieren müssen. Die heilt so - aber es wird Wochen dauern, bis er wieder "normal" bewegen kann. Und so ganz nebenbei sind auch noch 5 Rippen gebrochen.
Wir sind nicht mehr die erste Adresse bei Unfällen und schweren Erkrankungen. Aber wir sind ein wichtiger Knotenpunkt bei entscheidenden Fragen.
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